Deutsche bauen weniger Häuser 

Immer mehr Menschen erfüllen sich den Traum vom eigenen Heim mit einem Altbau. Einer der Gründe liegt neben dem Wegfall der Eigenheimzulage in den verschärften Umweltauflagen, die Bauherren beachten müssen. Die verteuern den Neubau und machen so gebrauchte Eigenheime attraktiver, schreibt die "Financial Times Deutschland".

Einer aktuellen Studie der LBS West zufolge entschieden sich 78,3 Prozent aller Immobilienkäufer in Nordrhein-Westfalen für eine gebrauchte Immobilie. Im Jahr 2000 waren es nur 60 Prozent. "Der Durchschnittspreis für ein gebrauchtes Eigenheim betrug 2007 in Nordrhein-Westfalen 170.000 Euro und lag damit um 45.000 Euro oder 20,9 Prozent niedriger als bei einem neuen Einfamilienhaus", sagt Christian Badde, Vorstandsvorsitzender der LBS West. In den übrigen Bundesländern verläuft die Entwicklung ähnlich. Nach einer Studie aller zehn LBS-Immobiliengesellschaften entfielen in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres rund 70 Prozent aller privaten Wohneigentumskäufe zwischen Rhein und Oder auf Bestandsobjekte.

Die Zahl der fertig gestellten Wohnungen in NRW ist 2007 mit 43.000 Neubauten auf den tiefsten Stand seit fast zwanzig Jahren gesunken. Im selbst genutzten Wohnungsbau wurde sogar ein Negativrekord aufgestellt: Mit 38.000 Wohnungen wurden 2007 so wenige Neubauten genehmigt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Diese Zahlen stellte Badde bei der Jahres-Pressekonferenz seines Instituts vor. Badde befürchtet, diese Entwicklung werde zu deutlichen Preissteigerungen bzw. Mieterhöhungen führen.

Dagegen wurden 2007 in Nordrhein-Westfalen 137.000 Altbauten verkauft. Damit übertrafen die Bestandstransaktionen den Neubau um mehr als das Dreifache, mit weiter steigender Tendenz in den nächsten Jahren. Immerhin ist ein gebrauchtes Eigenheim durchschnittlich um 45.000 Euro preiswerter als ein neues Einfamilienhaus. "Weitere Pluspunkte für die Bestandsimmobilie sind deren attraktive Lage in gesuchten Wohngebieten und die dort vorhandene gute Infrastruktur", erläuterte Badde.

Denn Bauen ist teurer geworden. "Durch die im Februar 2002 in Kraft getretene Energieeinsparverordnung (EnEV) sind die Baukosten für Einfamilienhäuser um bis zu 20.000 Euro gestiegen", sagt Peter Mertens, stellvertretender Vorsitzender des Verbands des Westdeutschen Baustoff-Fachhandels Ruhrgebiet. Das entspreche mehr als zehn Prozent der Baukosten. Die Zusatzkosten würden in den kommenden Jahrzehnten zwar durch Energieeinsparungen wettgemacht. "Aber durch den erhöhten Kapitalbedarf verteuern sich die Finanzierungskosten für die Familien immens", sagt Mertens.

Zwar gibt es öffentlich geförderte Baukredite der KfW-Bank, die besonders für energieeffizientes und umweltverträgliches Bauen ausgerichtet sind. "Doch die Förderprogramme sind derart kompliziert, dass Grundeigentümer ohne fremde Hilfe aufgeschmissen sind", kritisiert Yalcin Sahin, Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Und Kredit bleibt Kredit: Selbst mit einem günstigen Zinssatz summiert sich die jährliche Mehrbelastung, wenn man eine höhere Summe aufnehmen muss.

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